Mittwoch, 31. Oktober 2012

Mein wahrgewordener Alptraum

So, meine Lieben. Es ist nun an der Zeit von einem nicht so schönen Erlebnis zu berichten. Es liegt nun schon fast 2 Wochen zurück, deshalb lache ich selbst inzwischen darüber, aber in der Situation..
Es ist eine Geschichte von einem meiner täglichen Duschgänge, also eigentlich nichts weltbewegendes - wären da nicht zwei entscheidende Details gewesen:

1. War die Hälfte des Bades durch unsere Klempnerarbeiten mit Geröll bedeckt.
2. War, ebenfalls durch besagte Arbeiten, zu der Zeit kein Strom im Bad.

Als mein Wasser tayari war, bin ich also mit Kopftaschenlampe und Badeutensilien ins Bad gegangen. Ich weiß noch, wie ich dachte 'Ach, lustig, da sitzt ja eine Kakerlake oben an der Wand.'..
Ich legte also meine Klamotten ab und begann mich einzuseifen, da hörte ich auf einmal ein Fauchen..

Drei Fakten, die ich seit diesem Abend über Kakerlaken weiß:

1. Eine Kakerlake mag vielleicht nur so groß sein, wie mein Daumen, aber dafür hat sie lange, sich unablässig hin und her bewegende Fühler, die ihr so zur doppelten Größe verhelfem.
2. Kakerlaken sind schnell. Richtig schnell!
3. Kakerlaken können FAUCHEN !!!

Das Fauchen kam aus der Ecke, wo ich meine Handtücher und Klamotten abgelegt hatte, und zum Ersten Mal leuchtete ich genauer in den Geröllteil des Bades - ein Fehler. Pro Steinbrocken konnte ich locker 3-4 Kakerlaken zählen, groß,klein,dick,dünn,glänzend braun bis stumpfer Panzer. Es krabbelte und fühlte, was das Zeug hielt, nur meine Klamotten schienen zu stören, denn dort kam das Fauchen her. Und auch an der Wand, wie ich jetzt bemerkte, war bei Weitem nicht nur eine, sondern es herrschte rege Betriebsamkeit von bestimmt weiteren 20 Stück. Was tun? Ich atmete tief durch und versuchte mich so schnell wie möglich fertig zu duschen und nicht die Nerven zu verlieren. So lange sie Abstand halten, wäre ja alles kein Problem. Leider konnte ich durch meine Kopfleuchte immer nur sehen, was direkt vor mir war, sodass mich Geräusche hinter mir wirklich nervös gemacht haben. 

Und natürlich, wie einige weise Leser mir jetzt sagen würden, wusste ich, dass meine Angst komplett irrational war, aber ich sage euch: Wenn ihr allein in einem dunklen Raum ohne Klamotten mit über Hundert von diesen kleinen Biestern seid, dann macht es dieses Wissen auch nicht besser! 
Als dann schließlich eine Kakerlake direkt über meinen Fuß krabbelte, sah ich mich nun wirklich in einer schweren Krise. Wie soll ich es noch eine Sekunde länger aushalten?? Rausrennen konnte ich auch nicht, da ich immernoch Shampoo in den Haaren hatte.
Da kam mir meine liebe Freundin Frieda aus Iguguno in den Sinn. Immer wenn sie mit einem unguten Gefühl oder ähnlichem hier aufwacht, sagt sie 'Egal, was heute passiert, heute ist ein guter Tag,'.
Ich stand also im Bad und habe angefangen laut dieses Mantra aufzusagen und tasächlich: Es hat beruhigt! Nach dem Horrorduychen, bin ich sogar nochmal todesmutig mit meiner Kamera bewaffnet zurück ins Bad, nur um für euch Fotos zu machen.
Leider sind Kakerlaken, wie schon gesagt, ekelerregend schnell, deshalb sieht man nicht sonderlich viel.. Aber ich denke, ihr könnt euch eine Vorstellung machen!

Inzwischen bin ich darüber hinweg, es gibt wieder Licht im Bad und es herrscht dort Viecherfreie Zone! Außerdem müssen solche Dinge ja uch passieren, damit ihr zu Hause in euren bequemen Sesseln und Bürostühlen bei einer frischen Tasse Kaffee euch ein wenig gruseln könnt, nicht wahr?;)

PS mir fällt gerade auf, dass ich diesen Beitrag an Halloween geschrieben habe - wie passend!!

Überraschungsbesuch

Heute bin ich nicht in die Schule gegangen, Richard besteht darauf ('pumzika!' ~ ,ruh dich aus').. Jedenfalls habe ich gerade Mittagsschlaf gehalten, als Lucia an mein Zimmer geklopft hat, ich hätte Besuch. Noch ziemlich verschlafen und verwirrt (die Igugunos können doch erst am Wochenende kommen) bin ich also aufgestanden und siehe da: Der Schulleiter der Ipembe Primary School, der Academic Teacher und eine meiner Lieblingslehrerinnen, Mwalimu (Lehrer) Shayo standen dort und statteten mir einen Krankenbesuch ab. Ich hab mich vielleicht gefreut! :)
Sie haben mir sogar Obst mitgebracht, weil das doch so gesund sei und man bei Brucella viel Flüssigkeit und unfettiges zu sich nehmen soll (was hier nun echt nicht ganz einfach ist).
Sie haben mich gefragt, wie es mir geht und wann ich wiederkäme und Mwalimu Shayo, die ebenfalls in der 5b unterrichtet, hat mir erzählt, dass meine Schüler mich vermissen - süüß!

Jedenfalls fand ich das eine superschöne Geste, bei uns in Deutschland undenkbar.. Schade, eigentlich!

Auch Mkunde, meine Gastschwester, hat mir heute ein Geschenk gemacht. Sie hat mir ein Bild gemalt und es mit ihrem zweiten Namen, Gema, unterschrieben.




Ndege anaruka.

Dienstag, 30. Oktober 2012

..und plötzlich allein! Der etwas holprige Start in den 2. Monat

Ich denke, das sollte ich als erstes berichten: Vor zwei Wochen hat meine Mitfreiwillige Melanie hier in Singida sich entschlossen abzubrechen. Die Gründe dafür waren verschiedene und ich kann ihre Entscheidung nachvollziehen, aber ich denke genauere Ausführungen gehören nicht hier her. Jedenfalls ist sie am 16.10.12 zurück nach Deutschland geflogen. 
Ich muss sagen, für mich war das nicht ganz leicht. Auf der einen Seite war es schwierig für mich zu sehen, wie schlecht es ihr hier geht und habe gemerkt, dass das mich selbst auch ab und zu runtergezogen hat, auf der anderen Seite waren wir echt ein super Team und ich war immer froh, mich mit ihr austauschen zu können und jemanden zu haben, mit dem man Deutsch reden kann, etc.
Ich hatte also schon einige Angst davor, dass sie geht. 
Jedoch wurde diese Angst ziemlich schnell von anderen Dingen in den Hintergrund gedrängt: Am Freitag, dem 12.10.12 habe ich nämlich etwas sehr unüberlegtes getan - zu meiner Verteidigung muss angeführt werden, dass ich unwissend war! Ich war im Communitycenter und habe nach der Essensausgabe zusammen mit den Mädchen in meinem Alter ein bisschen gequatscht. Eine von ihnen hat mir etwas zu trinken angeboten und ich habe es natürlich dankbar angenommen, dachte ich doch an den Wasseefilter im Büro. Als dann aber das halbe Glas leer war, wurde mir plötzlich klar, dass die Kinder das Wasser ja immer ungefiltert aus dem Hahn trinken und bestimmt nicht daran gedacht haben, dass ich als Weiße eine Extrawurst brauche - na toll.. 
Von da an hatte ich Kopfschmerzen.. Ich kann nicht sagen, ob meine Sorge davor, tatsächlich krank zu werden, sie noch bestärkt hat, aber sie wurden bis Montag schlimmer, dazu kamen noch Bauchweh und eine heiße Stirn. Ich bin dann mit meiner Mama zum Arzt gegangen, der bei mir 'Brucella' diagnostiziert hat, eine Bakterie, die man durch schlechtes Fleisch, schlechte Milch und, wie in meinem Fall, wohl auch manchmal durch schlechtes Wasser bekommen kann. Also habe ich Medikamente und drei Tage Bettruhe verordnet bekommen.
Als dann am folgenden Mittwoch auch noch mein Computer kaputt ging, hatte ich wirklich, wenn man es so nennen will, mein erstes richtiges Tief hier in Tansania: Melanie war weg, ich war mit irgendeiner Bakterie krank, die ich nicht kannte und mein Computer, meine Verbindung nach daheim, war auch weg. Ich hab mich wirklich ein bisschen einsam gefühlt, so albern es ist, sowas von einer Maschine abhängig zu machen.

Doch inzwischen geht es mir wieder gut: Ich bin zwar immernoch nicht wieder richtig fit, war jetzt aber nochmal bei einem anderen Arzt, der mir bessere Medikamente verschrieben hat. Frieda, Bentje und ich nennen Brucella eigentlich nur noch Bruce, meinen tansanischen Freund. (Ein bisschen Ähnlichkeit ist da: aufdringlich, geht nicht, wenn man ihn darum bittet, hat kein Zeitgefühl - wie die Halbstarken, die einen hier so kess von der Seite anmachen;) )
Jedenfalls ist es schon Gewohnheit, dass Frieda fragt 'Na,wie läufts mit Bruce?'. Ihr müsst euch also keine Sorgen machen, mir geht es bald wieder superduper! Den Computer habe ich zu einem Freund von Richard gebracht, der lässt seine Freunde in Nairobi gerade nach Ersatzteilen fahnden - wenn das nicht klappt, lass ich mir eben einen hiesigen Bildschirm einbauen. Und Melanie ist zwar nicht mehr da, aber ich sehe ja jedes Wochenende Frieda und Bentje und merke außerdem dass ich durch das Alleinsein sehr viel schneller selbstständig werde und auch mehr Kiswahili lerne! ( Was jetzt nicht heißen soll, dass ich froh über ihre Abreise bin!)

Man kann also sagen, dass der 2. Monat Tiefs hatte, die es im ersten noch nicht gab, dafür aber auch Hochs, die noch um einiges besser waren als die im ersten Monat - ein Monat mit Gegensätzen also. Und die allgemeine Tendenz ist steigend - was will man mehr!:)

Samstag, 20. Oktober 2012

Samahani

Meine Lieben, ich muss leider sagen, dass ich mich in der nächsten Zeit wahrscheinlich nicht melden werde, mein Computer ist am Mittwoch kaputt gegangen. Der ist jetzt bei einem sehr netten Herren zur Reparatur.. Wir werden sehen! Gerade schreibe ich aus Iguguno, bin da über Nacht zu Besuch.
Ich werde dann natürlich pflichtschuldigst alles nachschreiben, was bis dahin passiert ist.

Alles Liebe an Euch,

Camilla

Dienstag, 16. Oktober 2012

Klempner, die Zweite.

Also, da mein letzter Post so viele Kommentare hervorgerufen hat, wollte ich euch noch kurz das Ende der Klo-Episode erzählen:
Ab Freitag Morgen konnte man nicht mehr wirklich durch unseren Hof gehen, da ein riesiger Sandberg den Weg versperrt hat. Mit diesem Sand wurde das kaputte Klo nämlich wieder aufgeschüttet (glaube ich).
Außerdem hatte der Unfall zufolge, dass wir nun zwei Klos haben werden, nämlich wurde im Raum nebenan, in dem bis dahin noch ein Bett und einiges anderes Zeug gestanden hatte, kurzerhand der Boden weggerissen.
Ab Freitag habe ich Besuch von einigen anderen Freiwilligen bekommen, die zwei aus Iguguno waren natürlich wie immer dabei und dazu kamen noch drei Freiwillige aus Moshi. Da hat es ganz gut gepasst, das meine Mama mich durch die Umbauten zu Hause sowieso ins Guesthouse umgesiedelt hatte, wo der Besuch sich dann auch ein Zimmer nehmen konnte. Obwohl das Guesthouse nur 4 Minuten von mir entfernt ist, hat es sich echt wie Urlaub angefühlt. Wir hatten ein gefliestes Bad mit Dusche, aus der zumindest am ersten Abend warmes Wasser kam!!
Seit gestern schlafe ich wieder zu Hause, das eine Klo ist nämlich wieder begehbar. Und hat jetzt sogar eine viel schickere Schüssel - weißes Porzellan in den Frischen Boden eingelassen!
Seit Montag bin ich leider ein bisschen am kränkeln und deshalb gibts sonst nicht so viel zu berichten, da ich die meiste Zeit im Bettchen liege und abwechselnd lese und schlafe. Aber keine Sorge (ja, Mama, ich meine dich!), ich hab nix schlimmes und mir geht es auch schon wieder ein bisschen besser.

Usiku mwema, 

eure Camilla


PS Es hat übrigens überhaupt gar nicht gestunken während des Umbaus! Das war nämlich eure häufigste Frage. Man hat null komma null irgendetwas gerochen - keine Ahnung weshalb, aber ich war ganz dankbar ;)

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Bitte einen Klempner nach Singida, Danke!

Also heute morgen bin ich aufgewacht und es war noch aufgeregteres Treiben als sonst. Was ist wohl los, habe ich mir gedacht. Also habe ich meinen Wäschebeutel genommen und dachte, ich gehe erstmal ins Bad.. - FALSCH gedacht! Unsere Badtür war verrammelt mit zwei Fahrrädern und alle haben mich hektisch daran gehindert hineinzugehen. Das Bad sei zusammengebrochen, hieß es. Waren jetzt meine Kiswahilikenntnisse mal wieder daran Schuld, dass ich etwas falsch verstanden habe?
Jedenfalls sind wir dann zum Guesthouse gelaufen, damit ich mich dort waschen konnte.. Ich kam natürlich mal wieder zu spät zur Schule, obwohl ich diesmal extra früher aufgestanden war - Na toll. :(

Die Schule beginnt nämlich immer um halb acht mit dem Morgenappell, wo die Kinder die Hymne der Schule, die von Tansania und noch ein paar Lieder singen. 
Auch wenn ich erst zur dritten Stunde habe, komme ich schon immer zum Appell, weil das alle Lehrer so machen und ich als Weiße keine Extrawurst haben möchte. Außerdem will ich ja das Kollegium kennenlernen und das ist dann immer eine gute Gelegenheit!
Jedenfalls komme ich normalerweise immer zu spät, weil das Frühstück immer so lange braucht und ich erst aus dem Haus gelassen werde, wenn ich auch ja etwas gegessen habe.. Nunja, die Lehrer findens witzig, wenn ich dann immer abgehetzt auf meinem Fahrrad angestrampelt komme mit hochrotem Kopf - hahaha..

Also, ich bin jedenfalls gerade wieder nach Hause gekommen und dachte ich schau mir die zuammengebrochene Toilette jetzt einfach mal an, damit ich mir etwas darunter vorstellen kann und weiß, was gemeint war. Und Leute, ich sags euch, sie war WIRKLICH zusammengebrochen!
Ich hab euch ein Foto gemacht. Ich füge auch eins bei, wie es ganz aussah.

Heute Abend werde ich jedenfalls im Guesthouse duschen und viel trinken werde ich auch nicht mehr, der Weg dorthin ist einfach zu lang..

Tutaonana, eure Camilla

PS - Ihr könnt euch vorstellen, wie alle gelacht haben.. 'Die Weiße fotografiert das Klo...Camilla chizi kabisa' (→ völlig verrückt!)

So dusche ich. Im Großen Eimer ist heißes Wasser, mit dem kleinen schöpfe ich.

Das 'ganze' Klo..

Jedes Mal, wenn ich das sehe, bekomme ich ein bisschen Gänsehaut, weil ich so froh bin, in dem Moment des Einsturzes nicht gerade im Bad gewesen zu sein...

Dienstag, 9. Oktober 2012

'Oh.. die ist aber groß..'

Und zwar die Spinne, die ich eben an meiner Wand hab klettern sehen. Ich muss ja sagen, bisher war ich echt entspannt was das Gekrabbel hier angeht. Mal eine Kakerlake hier oder da, solange es nicht in meinem Zimmer war, kein Thema. Und die kleineren Spinnen machen mir jetzt auch keine schlaflosen Nächte. Ich habe mich sogar so sicher gefühlt, dass ich nie mein Moskitonetz unter die Matratze gestopft hab. Tja, das hat sich gerade geändert. Eben hat es geschüttet wie aus Kübeln und da haben sich wohl auch die größeren Lebewesen einen Unterschlupf gesucht.. Meine Freundin war ungelogen ungefähr so groß wie meine Handfläche. Man mag ja sagen, dass ich kleine Hände habe, aber trotz allem war sie für eine Spinne einfach zu groß, zu haarig und dick. Ieh. Da bin ich dann eben doch ein weißes Mädchen. Aber zum Glück habe ich ja Farida! Ich musste zwar in Kauf nehmen, dass sie mich auslacht, aber sie ist mit einem Flipflop ganz souverän in mein Zimmer gekommen, auf dem Rücken die schlafende Madita, und hat für mich die Spinne aus meinem Zimmer verjagt. Danke, Farida !!
Heute werde ich das Moskitonetz fest um mich wickeln und in Zukunft meine Klamotten einmal mehr ausschütteln. Wo Melanies Gastmama uns doch letztens einen langen Vortrag über Spinnenbisse gehalten hat.

In diesem Sinne - Lala Salama!